Eine neue wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association, die heute in der Fachzeitschrift Stroke veröffentlicht wurde, unterstreicht, dass die Gehirngesundheit nicht allein durch Genetik oder Ereignisse im späten Leben bestimmt wird, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel von mentalen, körperlichen, umweltbedingten und Lebensstilfaktoren während des gesamten Lebens eines Menschen geprägt wird. Die Stellungnahme mit dem Titel „Gehirngesundheit über die Lebensspanne: Ein Rahmen für zukünftige Studien“ betont, dass Erfahrungen, die bereits im frühen Leben beginnen, dauerhafte Auswirkungen auf die Gehirnfunktion und das Risiko von Schlaganfall, kognitivem Abbau und Demenz im späteren Leben haben können.
Laut dem US Census Bureau wird die Zahl der US-Erwachsenen ab 65 Jahren von 58 Millionen im Jahr 2022 auf 82 Millionen im Jahr 2050 prognostiziert, ein Anstieg um 42 %, wobei der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung von 17 % auf 23 % steigt. Diese demografische Verschiebung wird voraussichtlich die Prävalenz von Gehirnerkrankungen erhöhen, die Gedächtnis, Denken und psychische Gesundheit beeinträchtigen. „Da medizinische und wissenschaftliche Fortschritte die Lebenserwartung verlängert haben, ist die Gehirngesundheit zunehmend wichtiger geworden“, sagte Dr. Elisabeth Marsh, Vorsitzende der Autorengruppe und Professorin für Neurologie an der Johns Hopkins University School of Medicine.
Schlaganfall ist laut den Herz-Kreislauf-Statistiken der American Heart Association von 2026 die vierthäufigste Todesursache in den USA. Eine wissenschaftliche Stellungnahme von 2023 zu kognitiven Beeinträchtigungen nach Schlaganfall hob hervor, dass mehr als die Hälfte der Schlaganfallüberlebenden innerhalb des ersten Jahres kognitive Beeinträchtigungen entwickeln und bis zu 1 von 3 innerhalb von fünf Jahren eine Demenz entwickeln kann.
Die Stellungnahme identifiziert mehrere Faktoren, die die Gehirngesundheit beeinflussen. Psychische Erkrankungen wie chronischer Stress, Depressionen und Angstzustände können zu Entzündungen, stressbedingten Schäden und Verlust von Gehirnzellen führen. Negative Kindheitserfahrungen, einschließlich Missbrauch oder Vernachlässigung, können das Risiko für Lernschwierigkeiten und späteren kognitiven Abbau erhöhen. Chronische Entzündungen, die durch Infektionen während der Schwangerschaft oder anhaltenden Stress ausgelöst werden, können Gehirnzellen und Blutgefäße schädigen. Das Darmmikrobiom, das über Nerven und Immunsignale mit dem Gehirn kommuniziert, spielt eine Rolle; gesunde Darmbakterien schützen das Gehirn, während Störungen mit Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson in Verbindung gebracht werden. Fettleibigkeit erhöht Entzündungen und schädigt Blutgefäße, was die Gehirnstruktur beeinträchtigt. Schlaf ist für die Gehirnfunktion in jedem Alter essenziell, und unzureichender Schlaf oder Schlafstörungen wie Schlafapnoe können Entzündungen und Gedächtnisverlust verstärken. Soziale Gesundheitsfaktoren, einschließlich eines niedrigeren sozioökonomischen Status und eingeschränktem Zugang zu gesunden Lebensmitteln und Gesundheitsversorgung, sind mit höheren Risiken für Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck verbunden, was zum kognitiven Abbau beiträgt. Umweltbelastungen wie Luftverschmutzung und Schwermetalle können Entzündungen auslösen und die Blutgefäße des Gehirns schädigen.
Um die Gehirngesundheit zu verbessern, hebt die Stellungnahme Lebensgewohnheiten wie die der Life’s Essential 8 der American Heart Association hervor, darunter regelmäßige körperliche Aktivität, Kontrolle von Blutdruck und Cholesterin, gesunder Schlaf, Vermeidung von Rauchen und Stressbewältigung. Gesunde Ernährungsweisen wie die mediterrane Ernährung und ballaststoffreiche Lebensmittel unterstützen die Darmgesundheit. Die Stellungnahme fordert medizinisches Fachpersonal und politische Entscheidungsträger auf, die psychische Gesundheitsvorsorge zu priorisieren, den Zugang zur Versorgung zu erweitern und soziale Bedingungen zu verbessern. Die American Heart Association und die Paul G. Allen Frontiers Group haben mehr als 43 Millionen US-Dollar durch die AHA-Allen Initiative in Brain Health and Cognitive Impairment zur Förderung der Forschung bereitgestellt. „Gehirngesundheit ist eine lebenslange Reise, die von unserem psychischen Wohlbefinden, unserer Umwelt und unseren Lebensstilentscheidungen von der Kindheit bis ins späte Erwachsenenalter beeinflusst wird“, sagte Dr. Mitchell Elkind, Chief Science Officer für Gehirngesundheit der Association.
