Eine neue akademische Studie schlägt eine bedeutende Interpretation eines der rätselhaften isolierten Buchstaben des Korans vor und verbindet ihn durch strenge Textanalyse mit antiken kosmologischen Konzepten. Das Buch des Forschers Mahmoud A. Wahab, 'Der isolierte Buchstabe ‚Nun‘ in Sure Al-Qalam: In Bezug auf die altägyptische Religion, die Hebräische Bibel und koranische Kohärenz', argumentiert, dass der Buchstabe 'Nun' (ن) am Anfang der Sure Al-Qalam (68:1) kein unentzifferbarer Code ist, sondern ein bedeutungsvolles Zeichen, das die Urgewässer – 'Nun' in der altägyptischen Kosmologie – kodiert. Diese Lesart stützt sich auf vier Säulen: den Buchstaben Nun selbst, die altägyptische Religion, die Hebräische Bibel und die koranische Kohärenz, wobei der Koran die interpretative Priorität behält.
Wahab wendet einen methodischen Ansatz an, der Kohärenz in den Vordergrund stellt, indem er jede Sure als thematische Einheit behandelt und die Anordnung des Korans als absichtsvoll betrachtet. Externe Materialien wie Hadith-Berichte, frühere Schriften und historische Notizen werden nur insoweit berücksichtigt, als sie die Sprache und Struktur des Korans bestätigen. Das Kernargument untersucht die Position der Sure Al-Qalam innerhalb des Muṣḥaf, wo sie zwischen Al-Mulk (67) und Al-Haqqah (69) steht. Al-Mulk verkündet göttliche Souveränität, Schöpfung und das Leben als Prüfung, während Al-Haqqah den unvermeidlichen Tag und das letzte Gericht darstellt. Al-Qalam, eingeleitet durch 'Nun' und einen Schwur beim Schreibrohr, bildet eine Brücke zwischen Schöpfung und Schicksal.
Unter Bezugnahme auf die Nazm-Tradition der koranischen Kohärenzanalyse argumentiert Wahab, dass die linearen und thematischen Verbindungen zwischen diesen drei Suren helfen, 'Nun' zu entschlüsseln. Der Anfangsbuchstabe fungiert als Scharniersymbol, das Segen und Schöpfung (Al-Mulk) durch Dekret und Wissen (Al-Qalam) mit Auferstehung und Gericht (Al-Haqqah) verbindet. Diese Interpretation knüpft an Schöpfungsmotive an, bei denen frühe Berichte das Schreibrohr als das erste erschaffene Ding darstellen, das das Dekret niederschreibt – was zur 'Wissens'-Achse von Al-Qalam und der Lese-Schreib-Paarung mit Al-ʿAlaq passt.
Die Studie untersucht ausführlich die altägyptische Kosmologie, in der Nun nicht einen handwerkenden Gott, sondern den vergöttlichten Hintergrund darstellt: den grenzenlosen, dunklen Urozean, aus dem der erste Hügel und die Schöpfergötter hervorgehen. Alle ägyptischen theologischen Schulen teilten dieses wässrige Substrat, und das rituelle Leben inszenierte ständig das Hervorgehen aus dieser Tiefe durch heilige Seen, Trankopfer und Nilüberschwemmungen neu, was die lebensspendende Rolle von Nun verstärkte. Das Buch sichtet auch die Forschung zu Parallelen in der Hebräischen Bibel, insbesondere Genesis 1:2 und das hebräische tĕhôm (die Tiefe), und stellt strukturierte Parallelen zum ägyptischen Vorschöpfungsschema fest. Diese Ähnlichkeiten werden als 'zu eng, um zufällig zu sein' bewertet, wobei die biblische Polemik, die die Tiefe entmythologisiert, beibehalten wird.
Wenn Sure Al-Qalam innerhalb ihres unmittelbaren Nazm und im Licht kulturübergreifender Wasser-Kosmologien gelesen wird, signalisiert 'Nun' am plausibelsten die Urgewässer – ein Symbol, das Ursprung (Schöpfung), Dekret (Schreibrohr/Inschrift) und Schicksal (Gericht) über die Triade Al-Mulk/Al-Qalam/Al-Haqqah kohärent verbindet. Wahabs Beitrag ist methodisch ebenso bedeutsam wie lexikalisch, da er zeigt, wie die koranische Anordnung und thematische Einheit die muqaṭṭaʿāt (isolierten Buchstaben) entschlüsseln können, wobei vergleichende Materialien als unterstützende Zeugen und nicht als autoritative Quellen dienen. Das Ergebnis ist eine kompakte, integrative Lesart von 'Nun', die Schöpfung, Wissen und Gericht innerhalb des eigenen architektonischen Rahmens des Korans miteinander verbindet.
Diese Forschung ist bedeutsam, weil sie einen neuen Ansatz zum Verständnis der geheimnisvollen Eröffnungsbuchstaben des Korans durch interne Kohärenz anstelle spekulativer Etymologie bietet. Indem sie die koranische Chronologie und Anordnung in den Vordergrund stellt und frühere Offenbarungen sowie benachbarte Kapitel als erhellende Werkzeuge nutzt, bietet die Studie ein Modell für interdisziplinäre Schriftanalyse, die die textuelle Integrität respektiert. Das Buch ist auf Amazon unter https://www.amazon.com/Disconnected-Letter-Surah-Al-Qalam-Coherence/dp/example erhältlich, wo es seine Argumente zu koranischer Kohärenz und den muqaṭṭaʿāt darlegt. Für Wissenschaftler der vergleichenden Religionswissenschaft, Koranstudien und altorientalischen Kosmologie stellt diese Arbeit einen bedeutenden Versuch dar, disziplinäre Grenzen zu überbrücken, während die Priorität der internen Logik des Korans gewahrt bleibt.

